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Telegrafenberg, Potsdam

Unter der fachkundigen Führung von Beatrice Fiedler erkundeten wir den Wissenschaftspark „Albert Einstein“ auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Der eiszeitliche Hügel erlangte durch Generationen von Wissenschaftlern Weltruhm.

Namensgeber des Telegraphenbergs war ein optischer Flügeltelegraf, der 1832 errichtet wurde, um militärische Nachrichten von Berlin nach Koblenz zu übertragen. 1874 wurde hier das erste astrophysikalische Forschungsinstitut der Welt gegründet. Die überwiegend nach Plänen des Architekten Spieker errichteten Gebäude aus der Kaiserzeit prägen mit ihren charakteristischen Backsteinfassaden und dekorativen Sternfriesbändern bis heute das Erscheinungsbild des Areals. Sie stehen in gelungener architektonischer Verbindung mit modernen Forschungslaboren. Heute arbeiten hier Wissenschaftler auf den Gebieten der Geo-, Astro-, Polar- und Klimaforschung. Ein besonderer architektonischer Akzent ist der Einsteinturm, der 1921 zur experimentellen Überprüfung der Relativitätstheorie erbaut wurde.  

Neben fundierten historischen Einblicken bereicherte Frau Fiedler die Führung mit eindrucksvollen Anekdoten aus der Wissenschaftsgeschichte.  So berichtet sie unter anderem von den Meteorologen Süring und Berson, die 1901 bei einer Ballonfahrt zur Erforschung der Atmosphäre nur knapp dem Tod entkamen. Auch heute ist der Telegrafenberg Ausgangspunkt bedeutender Forschungsprojekte, etwa die Arktisexpedition des Alfred-Wegner-Institutes mit dem Forschungsschiff Polarstern, auf der bei einer einjährigen Drift durch das Polareis Daten zum Verständnis des globalen Klimasystems gesammelt wurden.

Höhepunkt des Besuches war die Besichtigung des Großen Refraktors. Das 1899 eingeweihte Linsenteleskop zählt noch immer zu den größten seiner Art weltweit. Nach schweren Kriegsschäden und jahrzehntelangem Stillstand wurde es durch das Engagement des Fördervereins Großer Refraktor Potsdam e.V. und dank zahlreicher Spenden restauriert und 2006 wiedereröffnet. Es war imposant die große, drehbare Kuppel zu betreten und später zu beobachten, wie sie sich öffnete. Dr. Lamer vom Förderverein vermittelte anschaulich die Geschichte, Funktionsweise und wissenschaftliche Bedeutung dieses außergewöhnlichen Instruments. 

Auf dem Telegrafenberg wurde Wissenschaftsgeschichte lebendig. 

 

Vorschaufoto: Reinhard Musold

Textfoto: Annemarie Wilke

Fotos in der Reihenfolge von Annemarie Wilke (2), Gaby Winter (2), Wolfgang Hahn (2),  Michael Formell (2), Norbert Kohlhoff (2), Gunter Sachse (2), 

Rüdiger Hille (2) und Reinhard Musold (2)

Text: Gaby Winter

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